Offroad-Premiere – Raiba Rad Cross 2017 in Hürth-Kendenich

Als mich vor ein paar Monaten jemand gefragt hat, ob ich auch vorhabe, irgendwann mal an Mountainbikerennen teilzunehmen, lautete meine Antwort ganz klar „nein“. Vor ein paar Wochen habe ich mir dann überlegt, dass es schon ganz cool sein könnte, nächstes Jahr an einem Rennen teilzunehmen, einfach um ein Ziel zu haben, auf das ich mich vorbereiten könnte. Und nicht viel später dachte ich, warum eigentlich so lange warten? Also habe ich mich zu meinem ersten Rennen angemeldet – dem Raiba Rad Cross, das am 12.11. in Hürth-Kendenich stattfand.

In erster Linie ist es eine klassische Cyclocrossveranstaltung, aber es gibt dort auch ein Rennen speziell für Mountainbikes. Für alle, die jetzt denken: „Cyclocross, hä?“ – so ging es mir letztes Jahr auch noch. Cyclocross wird auch als Querfeldein bezeichnet. Crossräder sehen Rennrädern sehr ähnlich, haben aber breitere, profilierte Reifen und eine leicht andere Geometrie. Und wie der Name schon sagt, finden die Rennen im Gelände statt. Im Gegensatz zu vielen anderen Radrennen werden sie über eine vorher festgelegte Zeit und nicht über eine bestimmte Distanz auf einem etwa 2 km langen Rundkurs ausgetragen. In der Hobbyklasse sind das zum Beispiel 30 Minuten. Nach der ersten Runde oder den ersten beiden Runden wird auf Grundlage der Fahrzeit des Führenden durchgesagt, wie viele Runden insgesamt zu absolvieren sind. Auch nicht ganz unwichtig: Man fährt nicht nur langweilig im Kreis, sondern muss zwischendurch immer wieder Hindernisse überwinden, bei denen man je nach Fahrkünsten auch vom Rad absteigen muss. Das können Treppen, Strohballen oder Sandgruben sein. Elegant und vor allem schnell auf- und absteigen zu können, ist also definitiv von Vorteil.

Foto: Christian Siedler

Foto: Christian Siedler

Foto: Christian Siedler

Foto: Christian Siedler

Das Rennen, zu dem ich mich angemeldet hatte, fand nach denselben Regeln wie ein Cyclocrossrennen statt, nur eben auf Mountainbikes. Für mich war das Positive daran, dass es fahrtechnisch nicht so anspruchsvoll war wie ein ‚richtiges‘ Mountainbikerennen, weil ich in der Hinsicht immer noch auf Anfängerniveau unterwegs bin, auch wenn ich im Schneckentempo Fortschritte mache. Das Negative daran war aber, dass ich mein 12,7 kg schweres Rad zweimal pro Runde über Strohballen hieven, einmal durch eine Sandgrube schieben und einmal die sogenannte „Mauer“ hochschleppen musste, die steiler ist als die steilste Treppe, die ein vernünftiger Mensch bauen würde.

Am Tag des Rennens dachte ich nach nervositätsbedingt nur drei Stunden Schlaf deshalb auch: „Warum tust du dir das immer wieder an?“ Als es endlich losging, wusste ich aber, dass es die richtige Entscheidung war. Ich liebe einfach Wettkämpfe jeder Art. Am Start hatte ich mich – im Nachhinein betrachtet dummerweise – absichtlich in die letzte Reihe gestellt und auf den ersten Metern sogar bewusst alle vorbeifahren lassen, weil ich dachte, dass ich auf diesem Teil der Strecke bestimmt die langsamste sein würde. War allerdings nicht der Fall. Auf dem ersten Drittel der ersten Runde steckte ich hinter einer Gruppe Männer fest, die viel vorsichtiger fuhren, als ich es getan hätte. Ich habe daher sofort überholt, als sich die Gelegenheit bot. Die anderen drei Frauen, die mit mir an der Startlinie gestanden hatten, waren da schon längst über alle Berge, und ich fand mich damit ab, dass ich wohl den vierten Platz belegen würde. Hätte ich auch nicht dramatisch gefunden. Immerhin hatte ich meine Hauptziele, überhaupt an den Start zu gehen und die Frauenquote zu erhöhen, schon erreicht.

Foto: Christian Siedler

Foto: Christian Siedler

Ende der zweiten Runde (von vier) rief Niels mir aber zu, dass ich viel auf die Frau auf Platz drei aufgeholt hatte, und auf der dritten Runde sah ich sie dann tatsächlich irgendwann vor mir. Bis zum Anfang der vierten Runde bin ich an ihr drangeblieben und habe dann mein Heil in der Flucht gesucht. Hat auch geklappt. Allerdings konnte ich durch den ganzen Matsch, der sich überall an meinem Rad und an meinen Schuhen angesammelt hatte, schon seit Beginn der vierten Runde nicht mehr schalten und nicht mehr in mein rechtes Pedal einklicken. Als ich davon ausging, der dritte Platz sei mir sicher, habe ich deshalb nicht mehr Vollgas gegeben und bin etwas langsamer in die stellenweise sehr matschigen und dadurch rutschigen Kurven gefahren. Kurz vor Ende der letzten Runde war die Frau, die ich doch eigentlich schon abgeschüttelt hatte, aber wieder an mir dran. Scheiße, Zielsprint war angesagt! Zum Glück steckte ich auf dem großen Kettenblatt fest, und nur mit dem linken Schuh eingeklickt habe ich eine kleine Wattage-Bazooka hingelegt und den dritten Platz gerade noch ins Ziel gerettet. Man merke sich also: Man sollte niemals aufgeben, sich aber auch niemals zu sicher wähnen! 😀

Foto: Christian Siedler

Und weil es so viel Spaß gemacht hat, durch den Schlamm zu rutschen, nehme ich nächsten Monat gleich noch mal an einem Offroad-Rennen teil – ob wieder auf dem Mountainbike oder doch auf dem Cyclocrossrad, überlege ich mir noch.

Danke für die tollen Fotos an Christian Siedler: www.christiansiedler.de

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