Zwift – Indoortraining, das süchtig macht

Hätte mir letztes Jahr jemand gesagt, dass es mir einmal schwer fallen würde, einen Tag lang nicht auf der Rolle zu trainieren, hätte ich sicher gedacht, derjenige spinnt. Seit drei Monaten habe ich jetzt aber Zwift, und meine Meinung hat sich komplett geändert.

Bevor ich von Zwift gehört hatte, wäre ich gar nicht erst auf die Idee gekommen, mir einen Rollentrainer zuzulegen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass es mir Spaß machen würde, Rad zu fahren und dabei die Wand anzustarren. Auch wenn mir schon bewusst war, dass Rollentraining gerade im Winter sehr nützlich und sinnvoll ist, bin ich stattdessen lieber draußen gelaufen oder spazieren gegangen.

Mit der Online-Plattform Zwift ist Indoortraining aber alles andere als eintönig, denn hier verbindet man seinen Trainer mit dem Computer und kann so in einer virtuellen Welt Rad fahren. Je mehr Watt man tritt, desto schneller fährt der eigene Avatar durch Watopia, London oder Richmond. Alles, was man dafür braucht, ist ein Smarttrainer oder ein klassischer Rollentrainer plus Geschwindigkeitssensor, die mittels ANT+-Adapter mit Zwift verbunden werden. Sehr praktisch, aber nicht zwingend notwendig, sind ein Trittfrequenz- und Herzfrequenzsensor.

Wenn man alles angeschlossen und verbunden hat, kann man direkt loslegen. Zwift bietet die Möglichkeit, einfach nur so auf einer der 17 Strecken zu fahren oder ein Workout zu absolvieren. Neben vorgefertigten Workouts und Trainingsplänen kann man auch seine eigenen Workouts erstellen. Möchte man eines der vorgegebenen Workouts machen, sollte man seinen FTP-Wert (Functional Threshold Power, d.h. die maximale Leistung, die man über eine Stunde hinweg erbringen kann) kennen und einstellen, damit die Workouts auf die eigene Leistungsfähigkeit abgestimmt werden. Kennt man diesen Wert nicht, kann man ihn bei Zwift mit einem FTP-Test ermitteln. Wenn man nicht alleine trainieren möchte, kann man sich auch mit Freunden aus dem richtigen Leben zum gemeinsamen Training verabreden oder an einem der Group Rides teilnehmen, die für alle Fitnessstufen angeboten werden. Außerdem werden bei Zwift regelmäßig Rennen veranstaltet.

Wie ihr auf dem Bild erkennen könnt, wird oben links immer eingeblendet, wie viel Watt man gerade tritt und gegebenenfalls wie hoch die Trittfrequenz und Herzfrequenz sind. Wenn man einfach nur so fährt, kann man bei Berg- und Sprintwertungen testen, was in einem steckt, und sehen, wie man im Vergleich zu anderen abschneidet, wie ich hier gerade bei der Bergwertung auf dem Box Hill. Macht man ein Workout, wird immer eingeblendet, was man als Nächstes tun soll (zum Beispiel 3 Minuten lang 200 Watt treten), welche Intervalle man schon absolviert hat und welche noch vor einem liegen.

Nach einer einwöchigen Testphase kostet Zwift knapp 10 € im Monat. Für mich haben sich diese 10 € mehr als ausgezahlt. Vor allem die Workouts machen mir richtig Spaß. Als ich noch im Leichtathletikverein war, hatte ich immer einen Trainer, der mir Trainingspläne erstellt hat. Er konnte meine Leistungsfähigkeit so gut einschätzen, dass das Training immer anstrengend genug war, um mich voranzubringen, aber trotzdem machbar. Ich will nicht behaupten, dass Zwift einen Trainer ersetzt, aber wenn man seinen FTP-Wert regelmäßig überprüft, kann man sich zumindest sicher sein, dass die Workouts hart, aber zu schaffen sind und einem helfen, besser zu werden. Nach diesem Winter bin ich auf jeden Fall viel fitter als nach dem letzten, und das spiegelt sich jetzt natürlich auch draußen wider.

Wie sind eure Erfahrungen mit Zwift? Seid ihr auch schon süchtig?

9 Antworten auf „Zwift – Indoortraining, das süchtig macht“

  1. Über eine Rolle hab ich auch schon nachgedacht, diesen Winter hab ich mich aber noch nicht dafür entschieden und statt dessen im Fitnessstudio trainiert und dort u. A. bei Cyclingkursen geschwitzt – war auch gut und besser, als sich allein auf dem Spinningrad abzustrampeln.
    Zwift klingt auf jeden Fall spannend, vielleicht probiere ich das mal aus, wenn ich irgendwann das nötige Equipment dafür habe.

    1. Cyclingkurse im Fitnessstudio sind im Winter bestimmt auch nicht schlecht. So kann man problemlos bei jedem Wetter trainieren und wird durch die anderen um einen herum motiviert 🙂
      Mit Zwift und einem eigenen Rollentrainer hat man zusätzlich den Vorteil, dass man zeitlich ganz flexibel ist – die Fotos oben sind zum Beispiel entstanden, als ich abends um 21:00 dachte, ich könnte mich auch noch ein bisschen aufs Rad setzen.

  2. Zeitliche Flexibilität wäre für mich auch optimal – aber macht ein Rollentrainer nicht zu viel Lärm? Überträgt sich das nicht alles auf den Boden? Ich wohne im dritten Stock eines Mietshauses und bin mir nicht sicher, was meine Nachbarn von meinem Indoortraining halten würden.

    1. Dieselbe Befürchtung hatte ich auch, weil ich auch in einem Mehrfamilienhaus wohne. Bei Rollentrainern gibt es ziemlich große Unterschiede, was die Lautstärke betrifft. Ich habe mir daher viele Tests durchgelesen und letztendlich den Elite Qubo Power Fluid gekauft, weil er als leise gilt. Das hat sich auch bestätigt. Um die Vibrationen abzudämpfen, lege ich unter den Rollentrainer außerdem eine Matte, die eigentlich für Waschmaschinen entwickelt wurde. Das macht das Ganze noch einmal leiser. So hört man bei geschlossener Tür selbst im Nebenzimmer kaum etwas, und auch die Nachbarn bekommen nichts mit 🙂

  3. Jetzt will ich auch Zwift haben! Fehlt nur noch das passende Rad und der Rollentrainer!

    Das ist ja wie Playstation spielen und noch was für die Fitness tun! 😀

  4. Wenn man Playstation und Sport mag, wird man Zwift mit Sicherheit lieben! Vielleicht findest du ja ein günstiges gebrauchtes Rad (muss ja nichts Tolles, Topmodernes sein), und Rollentrainer gibt es auch schon zu erschwinglichen Preisen. Dann steht deiner Zwift-Karriere nichts mehr im Wege 😉

  5. Hab mich beim Studieren der Eurobike-Neuheiten in den Wahoo KICKR CLIMB verliebt! Der kann bis 10% Gefälle bzw. 20% Steigun simulieren! Mal sehen und ein Einstiegsrennrad kriegt man in Alu ja schon für um 1000,-€ beim Versender!

    Auch wenn natürlich ein Crossrad/Rennrad Zwitter für mich die bessere Wahl wäre! Nicolai Argon CX aber da sind wir dann preislich jenseits von Gut und Böse!

    Was mir jetzt aus deinem Artikel und auch der Zwift Website schlüssig ist, sind die Kosten?!

    ANT+ fähiger Rollentrainer, vllt noch ne Wattmesskurbel aber was kostet denn Zwift an sich und wenn man da sich dann „im Spiel“ so tolle Bikes wie ein Canyon samt Trikot für seinen Avatar kaufen will?!

    1. Wie ich oben schon geschrieben habe (vielleicht ist das aber nicht ganz deutlich geworden), reichen ein einfacher, klassischer Rollentrainer, ein Geschwindigkeitssensor, den man am Hinterrad befestigt, und ein ANT+-Empfänger, um Zwift zu nutzen. Bei Zwift sind sehr viele gängige Rollentrainer hinterlegt, und die Software errechnet u.a. durch den Widerstand des Trainers und die Geschwindigkeit des Hinterrads, wie viel Watt man auf die Pedale bringt. Die Kosten für einen klassischen Rollentrainer, Geschwindigkeitssensor und ANT+-Empfänger sind überschaubar. Ein Powermeter oder ein Smarttrainer ist natürlich deutlich teurer, aber auch nicht unbedingt nötig, um Zwift zu nutzen.

      Zwift selbst kostet, wie auch oben erwähnt, knapp 10€ im Monat. Je mehr Kilometer man gefahren ist, je mehr Workouts man beendet hat etc., desto mehr Fahrräder und Ausrüstung werden automatisch kostenlos freigeschaltet, mit denen man seinen Avatar ausstatten kann.

      Ich hoffe, das ist jetzt klarer geworden 🙂

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